August 2005
Bündner Tagblatt:
"Theologiestudent auf literarischen Spuren"
Stephan Sigg studiert in Chur Theologie, ist
noch nicht ganz 22 Jahre alt und gibt dieser
Tage sein viertes Buch heraus: Ein illustriertes Kinderbuch, das von
den Abenteuern von
Ministranten erzählt.
Von Ladina Heimgartner
In lässigen Jeans, einem trendigen T-Shirt und Gel verstrubeltem Haar
sitzt der Theologiestudent Stephan Sigg im Churer Restaurant «Marsöl»,
einem seiner Lieblingslokale in der Kantonshauptstadt, wie er sagt.
Seit gut drei Jahren lebt Sigg in einer Wohngemeinschaft in Chur, an
den Wochenenden treibt es ihn meistens heim, ins sanktgallische
Rheineck. Nach Graubünden hat ihn seine Studienwahl gebracht: Theologie
sollte es sein, so die Entscheidung des damals Zwanzigjährigen: «Das
Fach ist sehr vielseitig, Geschichte, Psychologie, aber auch Ethik und
ganz Alltägliches finden einen Platz», erklärt Sigg.
Bereits das vierte Buch
Priester möchte er später nicht werden. Ein Grund dafür ist das
Zölibat, wie er unumwunden sagt. Ausserdem sei es eine Entscheidung
fürs Leben: «Da muss man schon hundert Prozent dahinter stehen.» Mit
Menschen zu tun haben, das möchte er später aber auf jeden Fall. Die
Menschen zum Nachdenken anregen – ohne aber zu missionieren – das auch.
Ein Weg, den sich der knapp 22-Jährige zu diesen Zwecken gewählt hat,
ist das Schreiben. Bereits ist ein Lyrikband, ein Roman und ein Band
mit Kurzgeschichten erschienen. Eben hat ein Deutscher Buchverlag das
Kinderbuch mit dem Titel «Bühne frei für die Mini-Band», in einer
Auflage von 2000 Exemplaren herausgebracht. Beim neusten Buch des
jungen Schriftstellers handelt es sich um eine Sammlung von 13
Kurzgeschichten, die allesamt von einer Gruppe Ministranten handeln:
Auf lockere und amüsante Weise erzählt Sigg, was Ministranten vor,
während und nach den Messen so alles erleben können. «Ich war selber
Ministrant. Man glaubt kaum, wie witzig das sein kann.»
Manche seiner Geschichten stammen also aus seiner eigenen
«Mini»-Karriere – manche sind frei erfunden. «Bühne frei für die
Mini-Band» ist Siggs erstes Buch, das im theologischen Bereich
anzusiedeln ist. «Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen.»
Die Kinder sollen das Verhalten der kleinen Protagonisten vielmehr
beurteilen und darüber nachdenken. Und: «Ich möchte die Kirche in einem
positiven Licht zeigen», so Sigg.
Ein Traum verfolgt
Das Schreiben war seit frühster Jugend ein Traum für Stephan Sigg. Ein
Traum, den er bislang schon sehr zielstrebig und erfolgreich zu
verfolgen wusste. Einer, der aber noch weiter geträumt werden will,
denn an Ideen mangelt es keineswegs, wie der Student versichert.
Dass es heutzutage mehr als nur schwierig ist, ausschliesslich vom
Schreiben zu leben, dessen ist sich Sigg bewusst: «Schön wäre es, wenn
wenigstens ein Teil meiner Einkünfte aus dem Bücherverkauf kommen
würden.»
Daneben kann sich der Jungautor vorstellen, im journalistischen Bereich
tätig zu sein. In der ostschweizer Presselandschaft konnte er als
freier Mitarbeiter bereits Erfahrungen sammeln: «Am liebsten würde ich
journalistisch im theologischen Bereich arbeiten.»
(Bündner Tagblatt, 11. August 2005 - Foto und Text: Ladina Heimgartner)